Zauberspiegel
Es war einmal ein ehrwürdiger, uralter Berg. Er ruhte von klirrendem Eis bedeckt. In seinem Inneren quoll er über von Edelsteinen und kostbaren Metallen. Doch ein fremdartiger Zauber verhinderte, daß das Eis im Sommer schmolz und den Berg frei gab.
Eines Tages kam ein einsamer Edelmann zum verwunschenen Berg. Dessen Herz war von Kummer so schwer, daß er im ewigen Eis des Berges erfrieren wollte. Seine Liebe galt einer wunderschönen und warmherzigen Prinzessin, deren Vater es nicht zuließ, daß sie ihn zum Gemahl nahm. Da keine Wärme sein Herz trösten konnte, floh er in die Kälte.
Auf dem Weg zum Gipfel erzählte er dem Berg seine Geschichte und bat ihn um Verzeihung, da sein Leichnam im ewigen Eis liegen bleiben und den Berg in seiner Reinheit verunzieren würde.
Dieser Berg bestand zwar aus hartem Felsen, aber das Herz des Berges war nicht aus Stein und so wußte der Berg vom Unglück des einsamen Prinzen. Der Berg fing an zu beben und weinte so heftig, daß der Zauber brach. Das Eis fing an zu tauen. Es schmolz so sehr, daß viele Edelsteine mitgerissen wurden und in tosenden Schmelzbächen zum Fuße des Berges rollten. Doch nachdem der Berg sich wieder beruhigt hatte gewann der Zauber seine Macht zurück und das Wasser erstarrte.
Der Prinz staunte über dieses Wunder, dessen er Zeuge werden dürfte. Angesichts dieser Naturgewalten fühlte er sich ganz klein - auch sein Schmerz schrumpfte. Er brach sich Teile des Eises mit den darin eingeschlossenen Edelsteinen ab und brachte sie dem stolzen König. Doch die Eiskristalle waren nichts anderes als die Tränen des Berges und als der alte König in die Eiskristalle blickte erkannte er seine Kälte. Da wurde sein Herz weich und er gestattete nun die Heirat. Der Prinz ließ von geschickter Hand die Eisstücke schleifen und zu wunderschönen Zauberspiegeln formen, die die Kraft hatten, jeden mild zu stimmen, der in sie hineinblickte.
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